Statement unserer Ersten Bevollmächtigten zum Tag der Arbeit Kann der weg? Ein Plädoyer für den Tag der Arbeit

Anlässlich der aktuellen Forderung aus der Politik, den 1. Mai als Feiertag abzuschaffen, veröffentlichen wir den Gastbeitrag von Maja Reusch in der Badischen Zeitung vom 29. April 2025.

1. Mai 2023 in Berlin mit Jörg Hofmann

17. April 2026 17. April 2026


Kann der weg? Ein Plädoyer für den Tag der Arbeit

 

„Wir sollten den 1. Mai, den Tag der Arbeit abschaffen.“ In Zeiten klammer Kassen hört man immer wieder einzelne Stimmen in Politik und Wirtschaft, die diese Forderung aufstellen. Zu ideologisch ist er den einen, einseitig genutzt von Organisationen, die ihre kapitalismuskritischen Positionen, in einzelnen Städten teilweise gewaltsam, in die Gesellschaft tragen. Andere wiederum mokieren sich darüber, dass vielen Menschen der Ursprung und Sinn des Feiertags nicht mehr bewusst sei und er zu einer beliebigen Wald- und Wiesenveranstaltung diverser Wander- oder Anglervereine mutiert sei. Dafür brauche es keinen 1. Mai als Feiertag der Arbeit.

Arbeit verbindet.

Was hält unsere zunehmend individualisierte Gesellschaft zusammen? Was verbindet Menschen, trotz verschiedener kultureller Werte, Überzeugungen und Lebensumstände? Es ist die Arbeit. Die weit überwiegende Anzahl der Menschen geht, ging oder wird einer Erwerbsarbeit nachgehen. Hier begegnen sich Menschen, die im Alltag oft nicht zueinander gefunden hätten. Trotz unterschiedlicher Herkunft, Religion oder Überzeugung, bei der Arbeit agieren Millionen Menschen zumeist sehr erfolgreich miteinander.

Arbeit schafft Werte. 

Unser Gemeinwesen, unsere Sozialversicherungen und Infrastruktur wird weniger durch Aktien- oder sonstige Kapitaleinkommen gestützt, sondern überwiegend, teilweise ausschließlich durch unser Erwerbseinkommen finanziert. Wir sollten uns viel stärker ins Bewusstsein rufen: Arbeit ist die Stütze und der Motor unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Darauf kann und sollte jeder Mensch, der arbeitet, gearbeitet hat oder arbeiten wird stolz sein. Den Großteil unseres aktiven Lebens verbringen wir im Büro oder in der Werkstatt. Deshalb ist es nach wie vor unerlässlich, dass wenigstens ein Tag im Jahr den Wert der Arbeit würdigt und Menschen sich und ihre Leistung feiern – auch dann, wenn dies nicht bei einer politischen Maikundgebung, sondern bei einer Dorfhock, Familienwanderung oder einem Tanz in den Mai zelebriert wird.

Arbeit muss gefeiert werden.

In einer Zeit, in der die Arbeitswelt sich rasant verändert, in der Digitalisierung und Automatisierung viele traditionelle Arbeitsplätze bedrohen, ist es umso wichtiger, den Wert der Arbeit zu betonen und zu feiern. Der 1. Mai bietet die Gelegenheit, innezuhalten und über die Zukunft der Arbeit nachzudenken. Wie können wir sicherstellen, dass auch in Zukunft alle Menschen Zugang zu guter und fair bezahlter Arbeit haben? Dass die, für die meisten Menschen mangels alternativer Einkommensarten, einzige Lebensgrundlage erhalten bleibt? Wie können wir die Arbeitsbedingungen weiter verbessern und die soziale Sicherheit stärken? Welche Verantwortung übernimmt der Staat, aber wie kann auch jeder Einzelne dazu beitragen? 

Der Tag der Arbeit ist mehr als nur ein Feiertag. 

Er ist ein Symbol für Solidarität und Zusammenhalt. Forderungen, ihn abzuschaffen, sind zutiefst respektlos. Der Tag der Arbeit sollte nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil stärker gefeiert und gewürdigt werden.