Zukunftstarifvertrag für die Badischen Stahlwerke erfolgreich abgeschlossen
Die Badischen Stahlwerke (BSW) in Kehl standen in den vergangenen Jahren vor enormen Herausforderungen. Trotz durchgehend voller Auslastung musste das Unternehmen in den letzten drei Jahren Millionenverluste hinnehmen. Ursachen waren eine tiefgreifende strukturelle Krise der Stahlbranche, extrem hohe Energiepreise sowie ein stetig wachsender Druck durch Stahlimporte aus Nicht-EU-Ländern.
Vor diesem Hintergrund begann die Geschäftsleitung der BSW im Mai 2025 Gespräche mit der IG Metall. Ziel war die Entwicklung eines Zukunftstarifvertrags, der unter einem klaren Leitspruch stand: „Kosten senken für bessere zukünftige Rahmenbedingungen!“
Im Raum stand ein erheblicher Beitrag der Belegschaft: 18 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren.
Harte Verhandlungen – erste Bewegung im Oktober 2025
Die anschließenden Verhandlungen waren intensiv und nicht einfach. Erst im Oktober 2025 zeichnete sich erstmals Bewegung auf Arbeitgeberseite ab. Dadurch konnten erste konkrete Ergebnisse erzielt werden – unter anderem wurden die bislang ungeliebten zwölf unbezahlten Sonderschichten gestrichen.
Die Zwischenergebnisse wurden im Rahmen einer Mitgliederversammlung ausführlich diskutiert. Dabei standen drei zentrale Fragen im Mittelpunkt:
- Was hat mich am bisherigen Ergebnis gestört?
- Was wäre machbar gewesen?
- Was muss unbedingt Teil des finalen Verhandlungsergebnisses sein?
Auf Basis dieser Diskussionen erteilten die Mitglieder der Verhandlungskommission ein neues Mandat für eine weitere Verhandlungsrunde.
Klare Linie, schnelles Ergebnis
Die zweite Verhandlungsrunde verlief deutlich zielgerichteter. Dank der klaren Positionierung aus der Mitgliederversammlung und der konkreten Vorschläge der Tarifkommission waren die Ausgangsbedingungen eindeutig. Nach einer kurzen, konstruktiven Diskussion konnte schließlich ein umfassendes Verhandlungsergebnis erzielt werden.
Dieses beinhaltet:
- Sicherung der Arbeitsplätze
- Investitionen in die Zukunft des Unternehmens
- Keine betriebsbedingten Kündigungen
- Keine monatlichen finanziellen Einbußen für die Beschäftigten
- Tarifliche Sonderzahlungen, zusätzliche Vergütungen und Entgelterhöhungen entfallen um bis zu 2 % für drei Jahre
Ab dem 01.01.2029 gelten wieder die aktuellen Flächentarife.
- Mitgliederbonus in Höhe von insgesamt 350.000 Euro
Dieser wird über mindestens fünf Jahre bereitgestellt. Pro Jahr erhalten Mitglieder daraus 156,00 Euro steuerfrei als Erholungsbeihilfe.
- Antwort auf den demographischen Wandel: Die Übernahme von Auszubildenden sichert langfristig die Zukunft des Unternehmens.
- Mehr Mitbestimmung bei den sogenannten „Bringschichten“: Die Zuteilung erfolgt künftig auf Basis der individuellen Präferenzen aus dem jeweils aktuellen Schichtplan.
Ein starkes Signal für die Zukunft
Der abgeschlossene Zukunftstarifvertrag ist ein wichtiges Zeichen für die Belegschaft und den Standort Kehl. Er verbindet wirtschaftliche Realität mit sozialer Verantwortung und schafft verlässliche Perspektiven für die kommenden Jahre – für die Beschäftigten ebenso wie für die Badischen Stahlwerke insgesamt.